Gesund oder heil?
Eine Patientin kommt zum Arzt in die Sprechstunde und klagt über Schmerzen im Magenbereich. Sie habe schon manches Hausmittel versucht, aber die Schmerzen blieben. „Herr Doktor, machen Sie mich wieder fit. Ich habe noch so viel zu tun.“ Er untersucht sie, verschreibt ihr ein Magenmittel. Doch seine Patientin kommt wieder. Das Medikament habe nicht geholfen. Da nimmt sich der Mediziner Zeit für diese Frau, befragt sie danach, was sie arbeitet, wie sie ihre Arbeit verkraftet und wie ihre sonstigen Lebensumstände sind. Nach diesen Informationen vermutet er, dass ihr Leiden tiefere Ursachen hat, die nicht nur mit einem Medikament zu beseitigen sind. Denn Schmerzen können psychosomatische Ursachen haben. Weil die Seele leidet, ruft sie über körperlichen Schmerz um Hilfe.
Daran erinnert unser Wochenspruch. Die Bitte: „Heile du mich, Herr“, ist mehr als der Wunsch, gesund zu werden. Heil umfasst meinen Körper und meine Seele, meine psychische Verfassung. Erst wenn ich meine seelischen Wunden, meine Schuldgefühle, meine Überarbeitung, meinen Dauerstress oder andere innerseelische Prozesse als Ursachen herausfinde, sie therapiere oder therapieren lasse, dann kann sich auch mein Körper wieder von dem Schmerzimpuls befreien.
Jesus weist in der Geschichte vom Gelähmten, der über das Dach zu ihm ins Haus herabgelassen wurde, auf diesen Zusammenhang hin. Er heilt ihn (zunächst) nicht, sondern vergibt ihm seine Sünden. Erst nach dem Streit mit den Pharisäern, ob Jesus überhaupt berechtigt sei, Sünden zu vergeben, heilt er den Gelähmten als Zeichen dafür, dass er sehr wohl diese Vollmacht hat (Markus 2, 1-12).
Neu werden
Gott möchte umfassend helfen, sodass uns für Leib und Seele geholfen ist. Wenn der Gelähmte auf einmal aktiv werden kann, seine Trage nimmt und nach Hause geht, beginnt für ihn eine völlig neue Lebenssituation. Ist er dem gewachsen? Es gibt die Erfahrung bei Menschen, die klagen über ihr Leiden, wollen aber eigentlich nicht geheilt werden, denn durch ihr Leiden bekommen sie Zuwendung und Hilfe. Hilfreich ist es, wenn Kranke in ihrem Genesungsprozess begleitet werden. Im medizinischen Bereich nennt man dies Rehabilitation. Medizinische, soziale, berufliche und pädagogische Maßnahmen dienen dazu, dass der oder die Kranke wieder in der Lebensgestaltung so frei wie möglich wird.
Der Epheserbrief benutzt für diese Neuentwicklung das Bild eines neuen Kleides, das man anzieht. „Werdet neu in eurem Geist und eurem Verstand und zieht den neuen Menschen an wie ein neues Gewand. Er ist geschaffen nach Gottes Ebenbild und strahlt wahre Gerechtigkeit und Heil aus“ (Epheser 4, 23).
Auch wir als christliche Gemeinde können heilsam wirken. Der Jakobusbrief macht uns Mut dazu, unsere geistlichen Gaben einzusetzen. Das Gebet und das Gespräch mit einem Geistlichen oder auch mit geeigneten Gemeindemitgliedern, kann helfen, Leid zu lindern. Jesus Christus steht dafür ein, Kranke wieder aufzurichten. Zeichenhandlungen in seinem Namen können hilfreich sein: die Hände auflegen oder die Salbung mit Öl. Auch Jakobus erinnert wie Jesus daran, auf Schuldgefühle (Sünden) zu achten und sie zu vergeben (Jakobus 5, 13-16).
Heil werden, befreit zu einem Neubeginn; fähig sein, diesen Neubeginn zu wagen; darauf vertrauen, dass Gott uns hilft durch Menschen, die uns dabei begleiten. Dazu ermutigt uns der Wochenspruch.


