Ich empfehle Euch die Autobiographie von Helmut Harsch. Er war mein Lehrer für meine seelsorgerliche Praxis und für mich als Ehepartner und Vater. Hier ist meine Rezension.
Helmut Harsch
Zufall - Ereignis – Geistesgegenwart
Lebenserinnerungen
edition fischer im R. G. Fischer Verlag
216 Seiten, 2025, 18,90 € ISBN: 978-3-8301-9402-6
Helmut Harsch schrieb lebendig erzählte Lebenserinnerungen. Sie veranschaulichen die Entwicklung kirchlicher Seelsorge in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er erzählt, wie er kirchliche Beratungsarbeit, Telefonseelsorge und Suchtberatung zu praktikablen Therapieangeboten in einer sich verändernden Gesellschaft machte. Deshalb ist dieses Buch unbedingt lesenswert.
Der Lebensweg des methodistischen Pfarrers und später ordinierten Geistlichen der Bayerischen Landeskirche ist geprägt von Neuentscheidungen. Keine methodistische Seminarausbildung, sondern Studium an der Uni Erlangen. Nicht nur theologische Ausbildung, sondern auch Ausbildung als Psychoanalytiker, geprägt von Pionieren der neuen Seelsorgebewegung Köberle und Uhsadel. Die Auseinandersetzung von Tiefenpsychologie und Theologie über die Schuldproblematik wurde seine Dissertation.
Nun folgte die berufliche Praxis 1965 als Leiter der „Evang. Erziehungs-, Ehe- und Familienberatung“ in München. Hier sah er psychologische Beratung als Teil kirchlicher Verkündigung. Das war neu. Neu war auch die Gesprächs-Ausbildung ehrenamtlich Mitarbeitender in der Telefonseelsorge. In der engen Verbindung zwischen Theologie und Psychologie entstand die Bewegung der Pastoralpsychologie mit Harsch als einem der Gründer. Konflikte zwischen Psychoanalytikern und Klinischen Seelsorgern in der neuen Berufsorganisation führten ihn in die USA. Dort ließ er sich von der Kurzzeittherapie der Anonymen Alkoholiker und von der psychologischen Bewegung der Transaktionsanalyse (TA) inspirieren. Zurück in Deutschland prägte er dadurch sowohl die Suchttherapie durch Vorträge, Supervision und Bücher, als auch die Seelsorgeausbildung als Professor für Pastoralpsychologie am Theologischen Seminar in Friedberg / Hessen (1974-1991).
Erfahrungen in seiner privaten Beratungspraxis zusammen mit seiner Frau Karin runden dieses Buch ab. TA und Psychoanalyse fanden wieder zueinander, vor allem in seiner Traumarbeit. Einfühlsam seine Erzählung zur Erkrankung und dem Sterbeprozess seiner Frau. So geben Helmut Harschs Lebenserinnerungen Einblick in die Arbeit der ersten Generation der Pastoralpsychologen, die eine für unsere Zeit angemessene Art kirchlicher Seelsorge schufen.