Wer Verantwortung trägt, muss sich verantworten
Wochenspruch zum 9. Sonntag nach Trinitatis
Was ist Ihre erste Reaktion auf diesen Wochenspruch? Ich vermute, Sie stimmen zu: Ja, da sagt Jesus etwas Richtiges. Das gilt für die hohe Geistlichkeit, für führende Politiker oder für meinen Chef. Aber vielleicht ergänzen Sie: Mit mir hat dieser Spruch nichts zu tun. Was habe ich denn für besondere Gaben? Ich kann doch gar nichts Besonderes, bin ein kleines Licht im Alltag und in der Glaubenswelt.
Manchmal ist es leichter, seine eigenen Mängel aufzuzählen als seine Stärken. Nähern Sie sich noch einmal dem Wochenspruch und erinnern Sie sich an die Gaben, die Ihnen gegeben sind. Legen Sie eine Liste an und schreiben Sie darin auf, was Sie alles gut können oder gerne mögen. In diese Liste passt etwa, andere zum Lächeln zu bringen oder gute Kuchen zu backen. Eigene Stärken müssen gar nicht großartig sein. Gute Reden zu halten oder andere überzeugen zu können gehört sicher auch auf diese Liste. Gehen Sie auf Entdeckungsreise zu Ihren Stärken.
Unsere Gaben einsetzen
Jesus erinnert daran, unsere Gaben bewusst als Christenmenschen einzusetzen. Unserem Herrn geht es um das Wachsen des Reiches Gottes unter uns. Sehr ernst mahnt er: Wer den göttlichen Auftrag kennt, aber nicht dafür sorgt, dass Gottes Wille geschieht, der handelt sträflich.
Menschen, denen viel anvertraut ist, bekleiden ein politisches Amt, tragen medizinische Verantwortung in Kliniken, leiten als Bischof oder Kirchenpräsidentin eine Landeskirche, die unter Sparzwang steht, oder sind Manager, die für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens stehen.
Menschen erwarten viel von solchen Leuten, vor allem für sich und für ihr Wohlergehen. Doch weder in Deutschland noch in einem asiatischen Land ist unser Leben ein Rundum-Sorglospaket. Wichtig ist, dass wir unsere eigene Verantwortung für unser Wohlergehen und für das anderer wahrnehmen und unsere Fähigkeiten dafür zur Verfügung stellen. Das erwartet Jesus Christus von uns und ist ein Ausdruck unseres Glaubens.
Glaubensschätze
Uns Christenmenschen ist der Glaube an den dreieinigen Gott anvertraut. Der Kolosserbrief beschreibt, wie vielschichtig und geheimnisvoll dieser Glaube ist. Zugang zu diesem Glauben haben wir durch Christus: „In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (Kolosser 2,3).
Wenn wir uns auf diesen unerschöpflichen Glauben einlassen, reicht es nicht, sich auf diesem Glaubenspolster auszuruhen. „Wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern“, erinnert uns Jesus Christus.
Vielleicht werden wir herausgefordert, Entscheidungen zu treffen, durch die wir alles Bisherige hinter uns lassen und Neues wagen – wie der Kaufmann auf der Suche nach guten Perlen: „Er fand eine kostbare Perle, ging und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ (Matthäus 13, 46). So wird das Reich Gottes sichtbar und wächst unter uns weiter.


