Vom Ausländer zum Mitbürger
Wochenspruch zum 7. Sonntag nach Trinitatis
Vom Ausländer zum Mitbürger
Ein Ungeist gegenüber Ausländern hat sich in Europa eingenistet. Obwohl in Deutschland ein Drittel der Mitmenschen einen Migrationshintergrund hat, ist der Druck auf schutzsuchende Flüchtlinge härter geworden. Abschiebung ist das politisch verheißungsvoll erscheinende Motto. Die Frage, warum Menschen bei uns Schutz und Hilfe suchen, bleibt außen vor.
In Indonesien sitzen die Vorbehalte gegenüber chinesisch-stämmigen Mitbürgern tief. Arbeitsmigranten aus China werden als Bedrohung für heimische Arbeitsplätze betrachtet. Christliche Gemeinden bekommen die Intoleranz durch konservative islamistische Strömungen zu spüren.
Ganz anders hört sich die Geistkraft an, die uns Jesus Christus geschenkt hat. Meine Übertragung des Spruchs:
Folglich seid ihr Menschen aus den anderen Völkern nicht mehr Ausländer ohne Bürgerrecht, sondern ihr seid Bürger in Gottes Reich und gehört zu Gottes Familie, zusammen mit allen Mitgliedern seines heiligen Volkes.
Was bedeutet es, wenn wir Bürger in Gottes Reich sind?
Gottes Reich kennt keine Grenzen. Unsere Gemeinden sind Inseln des Reiches Gottes in unserer Welt. Unsere Kirchen nennen wir Gotteshäuser. „Wie glücklich ist jeder, der in deinem Hause Wohnrecht hat und dich dort immerzu preisen kann“, heißt es in Psalm 84,6 (GNB). „Bei dir gewinnen wir unsere Stärke wieder zurück“, lesen wir weiter.
Es tut gut, als Deutscher, Schweizer oder als Indonesierin in unserer deutschsprachigen Gemeinde willkommen zu sein. Der religiöse Hintergrund spielt keine Rolle – ob Batak, reformiert, lutherisch oder aus einer Freigemeinde kommend.
In Gottes Reich und als Familienmitglieder in Gottes Haus leben wir in einer bestimmten Weise zusammen. Wir sind mit einer Würde ausgestattet, denn wir sind Gottes geliebte Kinder. Der Maßstab unseres Zusammenlebens ist Gottes Liebe, wie sie Jesus Christus uns gezeigt hat. Deshalb leben wir unser Leben nicht nur nach innen in unserer Gemeinde. Wir tragen die Liebe Gottes auch weiter zu anderen. Wir haben einen Blick für Menschen in Not, wir hören ihnen zu und packen an, damit Not gelindert wird. Wir laden Menschen ein, mitzukommen in unsere Gemeinde.
Dem Ungeist gegenüber Fremden begegnen wir mit der Geistkraft Gottes. Wer unter großen Mühen und unter Lebensgefahr aus seiner Heimat zu uns geflohen ist, hat dies nicht aus Lust und Laune getan. Menschen fliehen, weil sie von einem menschenverachtenden Regime gefoltert wurden, weil ihnen der Krieg alles genommen hat oder weil jahrelange Dürre ihnen Herden und Äcker vernichtete.
Uns Mitbürgerinnen und Mitbürger des Reiches Gottes lassen diese Schicksale nicht unberührt. Wir sehen zu, dass sie bei uns eine neue Lebensgrundlage finden und so allen nützen. Wir bedenken auch unsere Verantwortung für die Ursachen von Kriegen und Not in den Ländern des Südens. Wir unterstützen die Arbeit von „Brot für die Welt“, die durch Lehrgänge, mit widerstandsfähigem Saatgut und durch eine nachhaltige Bewässerung das Leben in bedrohten Ländern erhält. Schließlich ist es Gottes gute Schöpfung. Alle sollen sich hier zu Hause fühlen.
Ich wünsche Euch eine gesegnete sommerliche Woche.


