Unsere Sorgen
Eine Filmszene: Der Kriminalkommissar steigt zu seiner Kollegin in den Wagen. Ein kurzes „Moin“. Sie betrachtet ihn. Er sieht bedrückt aus, antwortet fahrig auf das, was sie zu ihrem Fall erzählt. Dann fragt sie ihn: „Was ist denn los mit dir?“ – „Ach, nichts“, antwortet er. Doch als Zuschauer möchte man rufen: Sag doch einfach, dass du dich mit deiner Partnerin gestritten hast und nicht weißt, wie es mit euch weitergehen soll!
Nicht nur im Film, auch in unserem Alltag kommt es immer wieder vor, dass wir uns nicht trauen zu sagen, was uns bedrückt: Streit in der Familie, Angst vor einer Prüfung, die Sorge, ob das Geld bei Arbeitslosigkeit reicht. Noch tiefer sitzt die Sorge, ja die Angst davor, dass durch politische Entwicklungen in unseren Ländern Lüge statt Wahrheit, Unrecht statt Gerechtigkeit, Gleichgültigkeit statt Barmherzigkeit und Verachtung statt gegenseitiger Achtung die Oberhand gewinnen.
Wohin mit unseren Sorgen?
In einer bildreichen Rede versucht Jesus seiner Jüngerschaft die Sorge um Nahrung und Kleidung zu nehmen, wenn sie seinen Weg mitgehen (Matthäus 6,25–34). Wenn Gott den Spatzen Nahrung gibt und die Lilien auf dem Feld kleidet, dann sorgt er erst recht für die Menschen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen.
Eckart Bücken macht uns mit seinem Lied „All eure Sorgen“ Mut, Jesus Christus anzuvertrauen, was uns bedrückt. Unsere Zwänge, Weite und Enge, unsere Fragen, Freuden und Klagen sind bei ihm gut aufgehoben, denn Jesus wird all diese Lasten tragen, damit wir entlastet sind. Jesus ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Gott für uns sorgt. Denn er braucht Menschen, die frei sind, mit Jesus Christus an seinem großen Ziel mitzuarbeiten: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Matthäus 6,33).
Hier können Sie das Lied anhören:
Statt unserer Furcht und unseren Sorgen hat Gott uns „den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ gegeben (2. Timotheus 1,7). Durch diesen Geist geben wir dem Reich Gottes unter uns Raum, in dem wieder Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Liebe und gegenseitige Achtung unser Zusammenleben bestimmen.
Wie sorgt Gott für uns?
Die Geschichte von Hanna, der Mutter des Priesters Samuel im Alten Testament, erzählt, wie Gott für uns sorgt (1. Samuel 1,1 ff.). Hanna kann keine Kinder bekommen und erleidet deshalb in der Großfamilie viel Schmach. Bei einer Reise zum Heiligtum nach Schilo schüttet sie im Tempel ihr Herz aus. Sie erbittet von Gott einen Sohn und verspricht, ihn Gott zu weihen. Der Priester Eli beobachtet sie und meint angesichts ihres inbrünstigen Betens, sie sei betrunken. Doch Hanna verneint dies: „Ich habe aus meinem großen Kummer und aus Traurigkeit so lange geredet“ (V. 16). Eli sagt ihr nun zu: „Geh hin mit Frieden; der Gott Israels wird dir geben, was du von ihm erbeten hast“ (V. 17). Nach Jahr und Tag bekommt Hanna einen Sohn und nennt ihn Samuel. Er wird der große Priester Israels, der die beiden ersten Könige, Saul und David, zum König salben wird.
Unsere Sorgen, Ängste und Zwänge mit Gott teilen, indem wir sie ihm mitteilen: Das können wir von Hanna lernen. Beten ist ein Weg, loszuwerden, was uns bedrückt. Wie der Priester Eli für Hanna, stellt Gott auch uns Menschen zur Seite, die unsere Sorgen anhören, sie mittragen und mit uns Wege finden, wie wir loswerden können, was uns belastet – damit sich der Wochenspruch auch an uns erfüllt: Gott sorgt für uns! Auch im Film hat der Kommissar seiner Kollegin schließlich erzählt, was mit ihm los ist. Sie hörte ihm zu und hatte eine gute Idee, die ihrem Kollegen half.


