Mensch, was für ein Sohn!
Über den Wochenspruch zum 3. Sonntag nach Trinitatis
„Mensch, was hast du für einen Sohn!“, ruft der Geschäftspartner aus, als er hört, wie gut der Junge in der Firma mitarbeitet. In der Personalabteilung habe er einfach ein gutes Händchen, um die passenden Leute zu finden und zu halten. „Leider ist mein Sohn ganz anders. Er verliert sich in Nebensächlichkeiten und treibt sich mit zweifelhaften Gestalten herum.“
Mensch, was hat Gott für einen Sohn! Er sonnt sich nicht in seinem Himmelsglück, sondern ist sich nicht zu schade, ein Mensch zu werden – so wie wir. Doch er bleibt ein besonderer Sohn: ein Menschensohn mit Charisma, mit dem Blick für das, was unter uns schief geht, und mit der Gabe, uns einen Lebenssinn zu geben, der wirklich trägt. In diesem Menschensohn wohnt eben auch Gott.
Suchen, was verloren ist
Wer fällt uns ein, wenn wir an „verloren“ denken? Oft sind es Arme, Bettler, Elende – Menschen, zu denen wir keinen echten Bezug haben. Doch was ist mit dem Bekannten, der seinen Job verloren hat? Oder mit der wohlhabenden Ehefrau eines Expats, die in ihrem goldenen Käfig keinen Sinn mehr sieht und sich mit Tabletten und Alkohol betäubt? Da ist der junge Mann nebenan, der aus seiner Wohnung fliegt, weil er die Miete nicht mehr zahlen kann, und nun auf der Straße steht.
Verlorene suchen?
Entscheidend ist, wozu der Menschensohn die Verlorenen sucht. Man kann Menschen ja auch suchen, um sie aus dem Weg zu schaffen. Nicht nur wir in Deutschland haben diese traumatische Erfahrung gemacht; auch in vielen anderen Ländern wurden Menschen vertrieben, ausgehungert oder ermordet. Und heute stehen wir wieder in der Gefahr, dass abgeschoben oder beseitigt wird, wer nicht in eine bestimmte Ideologie passt.
Der Menschensohn Jesus sucht Verlorene, um sie selig zu machen. Zachäus gehört dazu: Er ist ein reicher Zolleinnehmer, gilt aber für die Menschen in seinem Land als absolut verloren. Jesus hat ihm zu einem neuen Lebenssinn verholfen, einfach, indem er ihn annahm. Die Heilmittel Jesu waren Liebe und Barmherzigkeit.
Und wir?
Wir sind seine Nachfolger. Lassen wir doch den Menschensohn in uns und durch uns wirken, um heute selig zu machen, was verloren ist.
Wer im medizinischen oder therapeutischen Bereich arbeitet, hat die Fachkompetenz, kranke, süchtige oder verwirrte Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Wichtig ist dabei, wie wir unserem Gegenüber begegnen. Die Drogenhilfe der „Lebenswende“ in Frankfurt und Hamburg nennt ihre Klienten nicht Patienten, sondern Gäste. Und unsere Gäste behandeln wir doch in der Regel mit Liebe und Barmherzigkeit!
Wenn wir als Kirchengemeinde in unserem Stadtteil oder unserem Dorf ein offenes Ohr und wache Augen für Menschen haben, die Hilfe brauchen, dann ist das gelebter Gottesdienst. Kindern Raum geben, sich zu treffen und zu spielen; ihnen Geschichten von Gott und der Welt erzählen; neu Angekommenen in einer fremden Kultur Orientierung bieten; beim Erlernen der Sprache helfen – all das hilft, Menschen einen Lebenssinn zu schenken; durch die Liebe und Barmherzigkeit Jesu. Sind wir dann nicht auch Menschensöhne und Menschtöchter Gottes?
Kraft für neue Ideen und Impulse! Das wünsche ich Dir für die neue Woche.


