Lätare: Freude, allem Leid zum Trotz
Wochenspruch zum Sonntag Lätare
„Lätare Jerusalem“, freue dich, Jerusalem! Der Name des Sonntags ist der Beginn des Psalms 66. Ein Freudentag, ein Aufatmen, ein Stück Hoffen in der Mitte der Zeit, in der wir Leiden und Tod von Jesus Christus bedenken. Hoffen auf Leben, auf Jesu Auferstehung strahlt unser Wochenspruch aus: “Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.” Johannes 12,24
Unterwegs nach Jerusalem spricht Jesus von seinem baldigen Ende und erklärt mit einem Weizenkorn, warum sein Tod die Voraussetzung für das Leben ist. Ein Weizenkorn fällt in die Erde, gibt seine Form auf. Erst dann keimt und wächst Weizen heran. Ohne Leiden und Tod von Jesus Christus keine Auferstehung, kein Leben für ihn und für uns. So tröstet Jesus sich und seine Jüngerinnen und Jünger.
Und unser Trost?
Brauchen wir Trost? Werbung vermeidet Leiden oder verspricht durch beworbene Medikamente rasche Heilung. Katastrophenmeldungen, Informationen über Bombeneinsätze, über Mord und Totschlag laufen relativ sachlich über unsere Bildschirme. Leiden wird klein geredet. Da müssen wir schon tiefer gehen, um zu lesen, wie sich dieses Unheil für die betroffenen Menschen auswirkt. Etwa, dass durch die Bombardierung der Öltanks in Teheran Ölpartikel in die Luft geschleudert wurden, die dann als schwarzer, giftiger Schauer auf zehn Millionen Menschen herunter regnete. Zynische Nebenwirkung beim Versprechen, politisch unterdrückten Menschen helfen zu wollen. Schauderhaft und trostlos ist diese Art, Leben durch Tod zu versprechen.
Leid ist immer persönlich, es wirkt hart und ohne Aussicht auf ein Ende. Ich vermute, jede und jeder von uns kann darüber eine Geschichte erzählen, sei es über einen Autounfall mit schweren Verletzungen, sei es, dass die pflegebedürftigen Eltern dringend kompetente Pflege brauchen, aber der Weg dahin durch Vorbehalte der Eltern, durch behördliche Hürden, durch fehlende spontane Hilfe zum Verzweifeln ist. Wo ist da unser Trost?
Die Kraft, solche ausweglos erscheinenden Situationen zu bewältigen, finden wir durch Einsicht: Im Sterben ist schon das Leben inbegriffen. Wie beim Weizenkorn. In meiner Ausweglosigkeit, in meiner Kraftlosigkeit ist die Lösung schon angelegt.
Zum anderen finden wir Kraft durch Erfahrung: Angesichts des Todes von Jesus am Kreuz kennen wir schon seine Auferstehung zum Leben.
Und als Drittes haben wir eine starke Zusage Gottes: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“ Jesaja 54,10
Der Sonntag Lätare und unser Wochenspruch helfen, unsere Lebenskraft wieder zu finden. Dann können wir uns auch freuen, allem Leiden zum Trotz.



Lieber Wolfgang, vielen Dank für deine trostreichen Worte. Durch den schweren Schlaganfall meines Mannes hat sich von einer Sekunde auf die andere unserer Leben verändert. Deine Auslegung des Textes helfen mir, Trost und Hoffnung zu finden. Liebe Grüße Heidemarie