Christus, der Tanzmeister
Gedanken zum Lied "Lord of the Dance"
Seit Frühjahr singe ich bei den „Holy Spirit Gospel Singers“ mit, dem Gospelchor unserer Heilig-Geist-Gemeinde in München-Moosach. Dort habe ich einen Song kennengelernt, der mich fasziniert: „Lord of the Dance“. Im Lied erzählt Jesus Christus von sich: „I am the Lord of the Dance“ (ich bin der Tanzmeister). Das Lied beschreibt die Geschichte von Jesus ungewöhnlich. Es beginnt am ersten Morgen der Entstehung des Kosmos; es folgt Jesu Geburt in Bethlehem, seine Wirkung auf die unterschiedlichen Gruppen seines Volkes, Kreuzigung, Auferstehung und sein Leben in Ewigkeit; die bekannte Lebensgeschichte von Jesus. Doch für mich ist es das ungewöhnlichste Evangelium, das ich kenne.
Die Geschichte zum Lied
Der englische Liedermacher Sydney Carter hat das Lied 1963 geschrieben. Die Melodie stammt vom Lied „Simple Gifts“ (Einfache Geschenke). 1848 hat es Elder Joseph Bracket komponiert. Es ist ein Lied der christlichen Gemeinschaft der Shaking Quakers, so genannt, weil ihre Mitglieder in den Gottesdiensten zu Beginn in ekstatische schüttelnde und tanzende Bewegungen fielen, um sich von Sünden zu reinigen.
Carter inspirierte die Vorstellung, dass der gelebte Glaube einem Tanz gleicht. Die Statue des tanzenden Gottes Shiva auf seinem Schreibtisch, die tanzenden Mönche im Islam und die liturgischen Tänze in christlichen Gemeinden sind Hinweise, dass Tanzen, um seinen Glauben auszudrücken, eine lange Tradition hat.
Tanzen und Theologie sind in dem Song verbunden. Das ist ungewöhnlich. Lord Jesus, Jesus Christus, tanzt am Beginn der Welt. Er ist nicht geschaffen wie wir und alles im Kosmos, sondern vom Beginn an da: Gott tanzt und freut sich über seinen geschaffenen Kosmos. Christus tanzt mit Sonne, Mond und Sternen. Doch der himmlische Tanzmeister tanzt auch auf der Erde und wurde in Bethlehem geboren. Seine Art, den Glauben an Gott zu tanzen, gefiel den Schriftgelehrten und Pharisäern nicht. Sie tanzten nicht mit und sagten, er solle sich schämen. Doch zwei Fischer, Jakobus und Johannes, die tanzten mit und folgten ihm.
Im Refrain lädt der Tanzmeister Jesus alle ein mitzutanzen: „Ich leite euch alle an, egal, wer ihr seid, ich führe euch alle im Tanz.“ Als er am Sabbat tanzte und Lahme heilte, sagten die Frommen, dies sei eine Schande. „Sie peitschten mich aus, rissen mir die Kleider vom Leib und hängten mich ans Kreuz, um dort zu sterben.“
Im Lied tanzt er auch am Kreuz, an einem Freitag, als sich die Sonne verfinsterte. „Es ist schwer, mit dem Teufel auf dem Rücken zu tanzen“, stöhnt der Tanzmeister Jesus am Kreuz. „Sie begruben meinen Körper und dachten, jetzt ist es mit mir gelaufen. Doch ich bin der Tanz und ich mache weiter. Sie machten mich nieder, doch ich sprang hoch empor, denn ich bin das Leben, das nie vergeht. Ich will in dir leben, wenn du in mir leben willst. Denn ich bin der Tanzmeister!“ lädt uns Jesus Christus am Ende des Liedes ein.
Glauben als Tanz
Glauben als Tanz bedeutet: In unserem Lebensalltag kann unser Glaube ungewöhnlich wirken, überraschend, aber auch abstoßend, weil überkommene Vorstellungen auf einmal infrage gestellt werden. Es kann sein, dass wir deshalb in Schwierigkeiten kommen und abgelehnt werden. Aber wir wissen, dass der Glaube wie der Tanz zum Mitmachen einlädt. Im Glauben wie beim Tanzen spüren wir eine andere Sphäre. Sie hebt uns über unseren Alltag hinaus. Sie macht uns frei, Neues zu denken und auszuprobieren; sie schließt Menschen ein und nicht aus. Tanzende, die sich in Ekstase geschwungen haben, berichten, dass sie in Kontakt mit der himmlischen Macht kamen. Und schließlich ist Tanzen unbeschreiblich schön, zärtlich, liebevoll, hinreißend und schwungvoll, allein und mit anderen, vor allem mit Jesus Christus als himmlischem Tanzmeister.
Quellen
Das Video stammt von Jo Olivia auf YouTube
Das Bild: Tanzender auferstandener Christus, Ikone, gefunden auf der Webseite der Steyler Missionare im Artikel „Lust zu tanzen? Ostern als Einladung zur Lebensfreude“ von Norbert Cuypers SVD, Deutschland, 21. April 2025
Lust, zu tanzen? Ostern als Einladung zur Lebensfreude


